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Angst – Annehmen und Überwinden

Angst annehmen

„Angst liegt nie in den Dingen selbst, sondern darin, wie man sie betrachtet.“ Anthony de Mello

Das Gefühl „Angst“

Jeder kennt Angst von klein auf. Wir können Angst haben vor einem Tier, vor einer Prüfung, vor der Höhe, vor Menschen zu sprechen, vor einer Reise, vor sozialen Situationen, vor einer wichtigen Entscheidung… Doch wir können auch Angst haben vor dem Tod, vor dem Leben oder vor der Angst selbst. Angst kennt keine Grenzen. Angst kann ganz kurz auftreten und dann wieder verfliegen oder länger anhalten, von mehreren Stunden bis mehreren Tagen, oder sie kann unser Leben beherrschen und uns von morgens bis abends begleiten. Angst kann sichtbar sein durch Blässe, Zittern, Schreien, Weinen, Schwitzen. Doch Angst kann auch unsichtbar sein durch ein schnell klopfendes Herz, Bauchschmerzen, Schwindel, Ohnmachtsgefühle, ständige innere Angespanntheit und Schmerz. Und während all diese Symptome und Gefühle in dir wabern, kannst du immer noch lächeln und scherzen und niemand wird es dir ansehen.

Wenn Angst zum ernsten Problem wird

Angst ist so mächtig, weil sie dazu führen kann, dass du Entscheidungen triffst oder unterlässt, die du mit einem entspannten, ruhigen Kopf und einem warmen Herzen nicht getroffen oder unterlassen hättest. Lang anhaltende Angst kann dazu führen, dass dein Körper durch die ständige innere Angespanntheit geschwächt wird, psychosomatische Symptome entwickelt und irgendwann krank wird. Ständige Angst führt zu Unkonzentriertheit, Unsicherheit, einem schwachen Selbstvertrauen und sogar zu Depressionen. Angst kann sich zu einer Angststörung entwickeln, die das Leben so negativ beeinflusst und einschränkt, dass ein „normales“ Leben nicht mehr möglich ist. Angst kann sich zu Panikattacken entwickeln, die noch Tage danach körperliche und seelische Nachwirkungen haben.

Jeder Mensch erlebt in seinem Leben Phasen, die stärker von Angst geprägt sind als andere. Jeder hat Angst vor unterschiedlichen Situationen und Dingen. Ängste können überwunden werden, doch sie können auch unterdrückt und ignoriert werden. Ängste können wachsen, stärker werden und durch das Umfeld und eigene Verhaltensweisen genährt werden. Angst kann die Kontrolle über uns und unser Leben übernehmen.

Von Angst zur Angststörung
Wer mit einer Angststörung lebt, findet sich sicherlich in vielen dieser Beschreibungen wieder. Doch dieser Text ist auch für alle, die keine Angststörung haben und verstehen wollen, wie es sich anfühlt damit zu leben und zu versuchen, damit umgehen zu können. Wir alle tragen durch unser Leben körperliche und seelische Verletzungen davon, die geheilt werden wollen. Viele körperliche Wunden und Krankheiten sind sichtbar und jeder hat Verständnis dafür, dass es manchmal länger dauert, bis bestimmte Wunden heilen und dass es Zeit braucht, bis wir wieder ganz fit und gesund sind. Angststörungen sind nicht unbedingt sichtbar, doch sie können körperlich und seelisch krank machen. Bei psychischen Krankheiten und Problemen dauert es oft noch länger, bis Heilung stattfinden kann. Oft tragen wir manche seelische Wunden schon seit unserer Kindheit mit uns herum und sie werden erst im erwachsenen Alter richtig sichtbar. Eine Angststörung zu heilen, erfordert viel mehr als ein paar tröstende Worte, Medikamente und eine Woche im Bett. Eine Angststörung zu heilen, kann Jahre dauern. Kein Arbeitgeber, keine Krankenkasse, kein persönliches Umfeld hätte Verständnis dafür, was alles nötig wäre, um Heilung zu erfahren. Deshalb muss die Arbeit an sich selbst, der Umgang mit der Angst, die Rückschläge und der Kampf mit den mächtigen Emotionen nebenbei stattfinden, damit wir nicht den Anschluss an die Gesellschaft verlieren.

Es ist nicht leicht, jeden Tag mit dem Gefühl der Angst aufzustehen, Vollzeit zu arbeiten, Sport zu treiben, den Haushalt zu machen, einkaufen zu gehen, soziale Kontakte zu pflegen, Probleme zu lösen, genug zu essen und zu schlafen. Und neben und bei all diesen Aufgaben gilt es noch, die Angst nicht Überhand nehmen zu lassen … Und wenn sie es doch tut, weiterzumachen, jeden Tag wieder aufzustehen und nach vorne zu blicken.

Wertvolle Hilfe gegen die Angst

Dennoch gibt es einige Dinge, die helfen, mit der Angststörung umzugehen. Das wichtigste ist:

  1. Akzeptiere deine Angst. Wehre dich nicht gegen das unangenehme Gefühl, unterdrücke sie nicht, ignoriere sie nicht, sondern nimm sie an. Nimm sie an als ein Gefühl, was kommen und gehen kann. Akzeptiere alle unangenehmen Begleiterscheinungen der Angst. Erlaube dir, Angst zu empfinden. Es ist in Ordnung. Fühle nach, wo du die Angst in deinem Körper spürst und was sie in dir auslöst.
  2. Verurteile dich nicht für deine Angst. Was auch immer für Gedanken kommen, so wie: „Reiß dich zusammen!“, „Stell dich nicht so an!“, „Ich darf keine Angst haben“, diese Gedanken sind nicht wahr. Sie sind Teil deiner negativen Glaubenssätze, die du aus deiner Kindheit mitgebracht hast und vielleicht von deinen Eltern und deinem Umfeld gehört und angenommen hast. Überlege stattdessen, was du tun würdest, wenn eine dir nahestehende Person Angst hätte. Würdest du sie trösten, umarmen, festhalten, wärmen, für sie singen? Dann tu all diese Dinge für dich selbst. Denn du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben.
  3. Yoga und Meditation sind hervorragende Techniken, um zur Ruhe zu kommen und die Angst zu akzeptieren. Es gibt nichts Besseres als eine Stunde Yoga, besonders Yin Yoga, um die innere Balance wiederzufinden. Beim Yin Yoga werden die einzelnen Asanas mindestens drei Minuten und mit wenig Muskelkraft gehalten. Dabei ist es besonders wichtig achtsam zu bleiben und tief zu atmen. Bei der Meditation kannst du üben, achtsam auf dein Gefühl der Angst zu sein. Nimm die Angst wahr mit all den Empfindungen, die sie im Körper und im Geist auslöst. Je mehr dein Widerstand sich auflöst, desto schwächer wird die Angst.
  4. Manchmal tut es auch gut, sich auszupowern. Ob bei einem schnellen Lauf an der frischen Luft, einem Kraft- und Cardiotraining, Kampfsport.. ganz egal, was es ist. Nicht mehr zu denken und den Körper intensiv zu spüren, kann die Angst für den Moment auflösen. Mir geht es so, dass ich mich dann stark fühle, merke wozu mein Körper imstande ist und wieder mehr Selbstvertrauen gewinne.
  5. Sehr wichtig ist es auch über die Angst zu sprechen. Vertrau dich deinen Freunden und deiner Familie an und sei ehrlich. Akzeptiere Unterstützung und Hilfe. Du wärst doch auch für die Menschen da, die dir wichtig sind. Dann nimm all diese Liebe und Freundschaft dankbar an. Du musst da nicht alleine durch.
  6. Mach eine Therapie. Arbeite mit einem Therapeuten oder einer Therapeutin deines Vertrauens an deiner Angststörung. Es ist in Ordnung sich Hilfe zu holen. Es wird dich in deinem Leben viel weiter bringen, dir viele Erkenntnisse bringen und dir zeigen, dass es Möglichkeiten gibt, mit deiner Angst umzugehen und wieder glücklicher zu leben.
  7. Wenn es gar nicht anders geht, wenn deine Ängste Depressionen auslösen oder du es nicht mehr schaffst dich aufzuraffen oder körperlich am Ende bist, scheue dich nicht zum Arzt zu gehen und dir Unterstützung durch Antidepressiva zu holen. Medikamente sind keine Lösung für deine Probleme, doch sie können dir dabei helfen, die oben genannten Schritte für dich umzusetzen, bis du es ohne sie schaffst. Auch das ist kein Grund für Scham oder Verurteilung. Bei einem bakteriellen Infekt würdest du auch Antibiotika schlucken und dir durch das Medikament helfen lassen.

Positive Aspekte der Angst

Am Ende dürfen wir nicht vergessen, dass nicht alles an Angst negativ ist. Ohne Angst würden wir Risiken eingehen, die uns das Leben kosten könnten. Angst ist ein hervorragendes Warnsignal für den Körper, dass wir uns schützen müssen, verstecken, weglaufen, kämpfen. Angst hält uns einen Spiegel vor, denn sie zeigt uns, welche Erlebnisse aus der Kindheit wir aufarbeiten sollten und vermittelt uns Erkenntnisse über uns selbst und über die Gesellschaft. Angst kann uns dazu anhalten, Selbstliebe und Akzeptanz zu praktizieren.

„Ich glaube, dass die Angst, die man hat, wenn man an einem Abgrund steht, in Wahrheit vielmehr eine Sehnsucht ist. Eine Sehnsucht, sich fallen zu lassen – oder die Arme auszubreiten und zu fliegen.“ Isabel Abedi

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