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Der Sinn d(ein)es Lebens

Der Sinn deines Lebens

„Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben – aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind.“ Hermann Hesse

Die Frage aller Fragen
Diese Frage hat sich sicherlich jeder und jede von uns schon einmal gestellt: Was ist eigentlich der Sinn des Lebens? Warum bin ich auf der Erde? Warum lebe ich dieses Leben und kein anderes? Warum habe ich so viel Pech in meinem Leben und andere so viel Glück? Gibt es überhaupt einen Sinn oder bin ich zufällig hier gelandet?

Eine sichere Antwort auf diese Frage kann wohl niemand geben. Wenn wir diese Frage beantworten könnten, befänden wir uns auf einer anderen geistigen Ebene, wir wären nicht, wer wir sind: Menschen. Menschen, die auf die Welt kommen, ihr Leben leben und am Ende ihres Lebens die Welt wieder verlassen. Deshalb möchte ich in diesem Artikel nur eine Sichtweise anbieten, nämlich meine, wohlwissend, dass es Millionen anderer Sichtweisen da draußen gibt, die sicherlich ebenso ihre Berechtigung haben.

Was ist der Sinn meines Leben

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Die Frage, dich ich mir stelle ist nicht, was der Sinn des Lebens ist, sondern welchen Sinn ich meinem Leben gebe. Ich bin nicht ohne Grund geboren als der Mensch, der ich jetzt bin. Ich bin überzeugt davon, dass mich dieses Leben etwas ganz bestimmtes lehren soll. Es gibt etwas, eine Aufgabe, die ich in meinem Leben zu erfüllen habe und die mir an meinem Lebensende das Gefühl gibt, dass ich mein Leben wahrhaftig gelebt habe, mit allem Leid und aller Freude, die es mir gegeben hat.

Vielleicht wird uns auch nie so richtig klar, was unsere genaue Bestimmung ist, sondern wir handeln, so wie wir es für richtig halten, treffen Entscheidungen mit Verstand und Gefühl und fühlen uns trotzdem mit uns im Reinen.

Der Sinn des Leidens
Wichtig, um unseren eigenen Sinn des Lebens zu finden, ist es, die eigenen Werte zu kennen und den inneren Pfad nicht zu verlieren. Das sind keine leichten Aufgaben. Oft handeln und agieren wir auf eine bestimmte Art und Weise, obwohl es sich einfach nicht richtig anfühlt. Wir handeln so, weil wir so erzogen wurden, weil es sich so gehört, weil andere es sagen oder weil wir Angst haben, unsere eigenen Wünsche und Vorstellungen umzusetzen. Es gibt viele Leute, die sich nicht wirklich trauen, ihr Leben aktiv in die Hand zu nehmen, um keine Fehler zu machen und keinen Schmerz zu erfahren. Leider vergessen wir allzu oft, dass es gerade die Fehler und der Schmerz sind, die uns die wertvollsten Dinge im Leben lehren. Durch solche Erfahrungen sehen wir meist klarer, was der eigentliche Sinn unseres Lebens ist. Doch wer mag schon Leid im Leben? In dem Moment, in dem wir Leid erfahren, haben wir anderes im Kopf als uns vor Augen zu halten, wie viel wir daraus lernen können. Im Gegenteil: wir leiden. Deshalb versuchen wir uns Leid möglichst vom Leib zu halten. Vieles im Leben ist darauf aus, die Dinge zu vermehren, die das Leid vermeintlich vermindern: Geld, Macht, Erfolg, Liebe und Glück. All das sind jedoch Trugschlüsse.  Wir werden nicht den Sinn unseres Lebens finden, wenn wir unsere ganze Energie darauf verwenden, das Leiden zu vermindern. Oft vergessen wir, wie kurz das Leben ist. 80, 90 Jahre, mehr haben die meisten Menschen nicht, viele sogar weniger.

Wenn wir die oben genannten Dinge ehrlich hinterfragen, merken wir schnell, mit wie vielen Trugschlüssen sie verbunden sind.

Geld
Geld zu haben, macht vieles im Leben leichter. Das bestreite ich nicht. Geld macht es möglich, mehr Facetten des Lebens zu genießen, zum Beispiel mit Reisen, Luxus, einem eigenen Haus etc. Geld macht es womöglich sogar leichter, unserer Bestimmung zu folgen. Hingegen ist Geld nichts anderes als ein Tauschmittel. Wir sollten uns genau überlegen, wie wir es tatsächlich einsetzen wollen. Eine hohe Summe auf dem Konto zu haben, wird uns nicht glücklich machen, auch ein schickes Auto, ein großes Haus, ein teures Handy usw. werden uns nicht dabei helfen, den Sinn des Lebens zu finden. Es sei denn, wir fragen uns: Wie nutze ich jetzt das große Haus und das schicke Auto so, dass ich meiner Bestimmung folgen kann? Zum Beispiel könnte das große Haus der Treffpunkt für regelmäßige Familienfeiern sein oder eine Oase für Freunde, deren Türe immer offen steht. Das schicke Auto macht vielleicht auch anderen Menschen Freude. Vielleicht kannst du deinen Besitz also mit anderen teilen und so Freude verbreiten. Wenn du Geld und materielle Besitzgüter hast, wird es dir viel mehr Freude schenken, diese mit anderen zu teilen und großzügig zu sein.

Macht
Viele Menschen streben neben Geld hingegen auch Macht an. Macht worüber?, fragt man sich. Was wollen Menschen damit erreichen? Wollen sie sich selbst und anderen beweisen, dass sie stark und unbesiegbar sind? Menschen, die Macht haben in Form von Regierungsgewalt oder Geld, haben eigentlich eine besondere Verantwortung für die Welt. Nur wenige scheinen diese Verantwortung wirklich zu spüren. Oft geht es nur darum, die eigene Macht noch zu vergrößern. Sie nutzen ihre Macht aus und bringen dadurch großen Schaden auf die Welt. Sich die Macht nicht zu Kopf steigen zu lassen und stattdessen verantwortungsvoll für viele Menschen zu handeln ohne an den eigenen Mehrwert zu denken, erfordert hingegen große Stärke.

Erfolg
Erfolg hängt für viele Menschen mit Geld und Macht zusammen. Eine „erfolgreiche“ Karriere zu haben bedeutet meist, das Gehalt beständig zu steigern und Führungsrollen zu übernehmen. Erfolg ist für mich jedoch etwas ganz anderes. Erfolg ist für mich, andere glücklich zu machen, das zu finden, das meine Bestimmung ist, meinen Werten zu folgen, meinen inneren Pfad zu kennen und wiederzufinden. Erfolg ist für mich, die Welt besser zu verstehen. Erfolg ist es, meine Ängste zu überwinden. Erfolg ist es, den Moment genießen zu können.

Liebe
Die meisten Menschen streben Liebe in ihrem Leben an. Ich würde auch behaupten, dass es eigentlich nur die Liebe ist, die uns überhaupt am Leben hält. Ohne die Liebe unserer Mutter, hätten die meisten nicht überlebt. Liebe ist mannigfaltig, sie kommt in allen Formen und Farben. Wir lieben unsere Familie, unsere Kinder, unsere Partner, unsere Freunde, unsere Haustiere, die Natur, die Sonne, eine bestimmte Erinnerung… Doch die wichtigste Liebe ist die zu uns selbst. Wenn wir uns selbst nicht lieben, können wir Liebe nicht unbegrenzt geben. Dann werden an Liebe Erwartungen geknüpft, die oft nicht erfüllt werden können. Deshalb würde ich sagen, dass wir mit Liebe oft nicht das Richtige assoziieren. Wir wünschen uns Liebe von anderen, sind aber selbst nicht imstande diese Liebe zu geben, die wir von anderen erwarten. Deshalb entsteht aus größter Liebe oft auch das größte Leid, besonders in Partnerschaften. Wir erwarten, dass unser Partner oder unsere Partnerin uns glücklich machen mit ihrer Liebe. Doch das kann niemand, außer wir selbst.

Glück
Glück ist sicherlich das, was wir uns alle wünschen. Haben wir nicht alle das Ziel, glücklich zu sein? Doch was ist Glück? Ist es der Lottogewinn? Sind es materielle Besitzgüter? Sind es unsere Familie, unsere Freunde, unsere Partnerschaft? Ist es Selbstverwirklichung? Tatsache ist, es gibt viele Formen von Glück. Das nachhaltigste Glück liegt wohl tatsächlich in uns selbst und in unseren sozialen Beziehungen. Doch wir müssen uns wohl von dem Gedanken verabschieden, dauerhaft glücklich sein zu wollen. Es ist schlichtweg nicht möglich. Wären wir immer glücklich, könnten wir dieses Gefühl gar nicht mehr als solches wahrnehmen. Um glücklich zu sein, müssen wir auch das Gegenteil erfahren: Leid. Glück und Leid sind Teil eines jeden Lebens. Das muss uns klar werden. Anders sieht es hier mit Zufriedenheit aus. Ich kann zufrieden mit meinem Leben sein, auch wenn es zurzeit nicht so rund läuft.  Der Sinn meines Lebens ist es also nicht, dauerhaft glücklich zu sein, sondern jeden Teil des Lebens mit all seinen Facetten zu leben.

Eine andere Perspektive
Es kommt also darauf an, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Der Sinn meines Lebens kann in allen möglichen Dingen liegen, doch wir müssen uns von uns selbst leiten lassen, um ihn zu finden. Was für den einen Menschen genau das Richtige ist, kann für den Anderen falsch sein. Ich wünsche euch, dass ihr den Sinn in eurem Leben seht und diesen nicht aus den Augen verliert.

„Das eigene Wesen völlig zur Entfaltung zu bringen, das ist unsere Bestimmung.“ Oscar Wilde

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