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Hochsensibilität und menschliche Beziehungen

Ich habe das Gefühl, dass hochsensible Menschen durch Beziehungen zu anderen deutlich mehr beeinflusst werden als nicht hochsensible Menschen. Gefühle sind oft überwältigend und stark, sowohl positive als auch negative. Besonders belastend sind auch unterschwellige Spannung, die in der Luft liegt und menschliche Konflikte, die ungelöst sind. Viele Hochsensible spüren in aller Deutlichkeit die negativen Energien, die von solchen Konflikten ausgehen.

Mir persönlich geht es dann oft so, dass ich mich innerlich richtig zerrissen fühle. Ich wünsche mir Harmonie und keinen Streit, ob dieser nun mich persönlich betrifft oder nicht. Und so schweige ich und leide und jedes Mal, wenn ein Wort oder eine Geste den Konflikt verschärft, zucke ich innerlich zusammen. Oft brauche ich dann Ruhe und muss mich zurückziehen. Zumindest muss ich den Raum verlassen, in dem die Spannung vorherrscht. Wenn mich der Konflikt selbst betrifft, belastet mich das ungemein. Mein Herz fühlt sich schwer an, ich bin unruhig und grüble viel, ich male mir schlimme Dinge aus und ich schlafe schlecht und träume viel. Wenn mich jemand anschreit, gereizt oder genervt von mir ist, fühlt sich das an wie ein Stich ins Herz und mir kommen die Tränen. Mittlerweile habe ich gelernt, dass es aber nicht gut ist, meine eigenen Bedürfnisse aufgrund anderer ständig zurückzustellen, um die Harmonie zu gewährleisten. Auch wenn es mich unglaubliche Überwindung kostet, spreche ich das Problem an und kommuniziere klar, was ich loswerden möchte, ohne beleidigend zu werden.

Bei mir ist es so, dass mir meine Familie, meine Freunde und mein Freund unglaublich wichtig sind. Ich wünsche mir, dass sie glücklich sind und es belastet und beschäftigt mich stark, wenn sie es nicht sind. Ein Großteil meiner Gedanken ist daher immer bei den Problemen anderer, neben der eigenen. Es ist nicht leicht, sich davon abzugrenzen, doch ich habe gemerkt, dass es sehr wichtig ist, mir Zeit zum Regenerieren zu geben.  Gerade in den Weihnachtsfeiertagen, wo viele Menschen um mich herum sind, viel unternommen wird, viele verschiedene Meinungen und Vorstellungen aufeinander prallen und viel Trubel herrscht, brauche ich die Werkzeuge des Yoga und der Meditation, sowie die Möglichkeit, meine Gedanken aufzuschreiben, um innerlich Abstand zu nehmen.

Zudem ist es wichtig, all die Emotionen, Gedanken und Spannungen im Kopf zu sortieren: Welche sind meine und welche nicht? Welche Gedanken sind unnötig und welche sind es wert, vertieft zu werden? Gibt es Lösungen zu manchen Problemen? Was ist der Ursprung dieser Emotionen?

Wenn ich diesen Sachen auf den Grund gegangen bin, kann ich Ballast von mir werfen und klarer sehen. Ich verstehe dann vielleicht, wo ich meine Mauer ein bisschen stabiler bauen sollte, um mich selbst zu schützen und wo ich sie durchlässiger machen kann. Vielleicht ist es gut, manchmal ganz zu zu machen, um zur Ruhe zu finden und mit neuer Energie wieder eine Tür zu öffnen.

Es geht also viel darum, herauszufinden, wo meine eigene Grenze ist. Wenn die Grenze überschritten ist, fühle ich mich nämlich überlastet, gereizt, erschöpft, traurig und sorgenvoll. Es ist okay, sich Zeit für sich zu nehmen. Meditieren, Yoga, malen, schreiben, Musik hören, lesen, nichts tun.

„Zeit hat man nur, wenn man sie sich nimmt.“
(Karl-Heinrich Waggerl, Schriftsteller 1897 – 1973)

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