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Meditation – Mit sich selbst leben

Meditation in Dänemark

„Meditation verleiht uns inneren Frieden, der aus der Stille des Geistes hervorgeht.“ (Dalai Lama)

Diese und ähnliche Zitate waren mir schon lange bekannt gewesen. Vielleicht kennen viele den Wunsch, in Stille sitzen zu können, in Frieden mit sich selbst und dem Universum, glückselig lächelnd in tiefer Versunkenheit, um vollkommene Erleuchtung zu erfahren.

Meditation ist nichts für mich?

Mehrfach fasste ich den Entschluss, mit dem Meditieren zu beginnen. Ich setzte mich also im Schneidersitz auf den Boden und war fest entschlossen, meinen Geist zur Ruhe zu bringen. Einatmen – ausatmen – einatmen – ausatmen. Muss ich nachher nicht noch einkaufen gehen? Ich habe ziemlich Hunger. Nein! Nicht nachdenken! Einatmen – ausatmen. Was da neulich vorgefallen ist, ist ziemlich schlimm für mich. Es macht mir Angst. Nein! Keine Angst haben. Jetzt sollst du dich doch entspannen. Einfach atmen. Kann doch nicht so schwer sein. Irgendwie ist diese Sitzhaltung unbequem. Mein Rücken tut weh. Irgendwie kippe ich nach vorne. Ach, so geht das nicht. Ich kann nicht meditieren. Das ist nichts für mich.

Solche und ähnliche Erlebnisse hatte ich jedes Mal, sobald ich den Entschluss fasste zu meditieren. Lange Zeit war ich überzeugt davon, dass ich nicht dafür gemacht war, still zu sitzen. Mein Geist war so unruhig, dass ich bereits nach mehreren Minuten das Gefühl hatte durchzudrehen.

Yoga – Bewegte Meditation

Schließlich entdeckte ich Yoga für mich und bemerkte, dass es mir etwas leichter fiel, meinen Geist zur Ruhe zu bringen, während ich Asanas übte. Ich lernte, bewusst zu atmen und den Atem zu bestimmten Körperstellen zu lenken. Ich lernte zu erkennen, wann meine Gedanken abschweiften, um sie sanft wieder zurück auf meine Körperempfindungen zu lenken. Ich merkte, wie ich Yoga in meinem Alltag nicht mehr missen wollte. Diese halbe Stunde am Tag etwas Gutes für Körper und Geist zu tun, half mir durch so manche schwere Phase im Leben. Manchmal tauchte ich so tief in meine Yogapraxis ein, dass sich Emotionen in mir lösten.

Sehnsucht nach der inneren Mitte

Doch in einer Phase großer Angst, Verwirrung und Schmerz, fiel es mir schwer Yoga zu üben. Durch die vielen negativen Emotionen in meinem Körper, hatte ich kaum Kraft, mich auf die Matte zu begeben. Stattdessen hatte ich ein großes Bedürfnis danach, einfach einmal für ein paar Minuten den Fokus nach innen zu kehren und der unerbittlichen Welt da draußen den Rücken zu kehren. Ich beschloss, der Meditation noch einmal eine Chance zu geben. Und zwar diesmal richtig. Der Zufall half mir dabei, dass ich über Facebook auf eine Meditation Challenge stieß. Kurzentschlossen meldete ich mich dafür an, bereit, 3 Wochen lang jeden Tag 10 Minuten zu meditieren.

10 Minuten Achtsamkeit

Diese Meditation Challenge war Gold wert. 10 Minuten still zu sitzen und unter Anleitung die Achtsamkeit auf die Umgebung, auf den Körper und auf den Atem zu lenken, war jeden Tag mein kleiner Rettungsanker, der meinem Geist die Chance gab zur Ruhe zu kommen. Dabei bemerkte ich, dass ich zuvor einige falsche Annahmen in Bezug auf die Meditation hatte.

Falsche Annahmen

  1. Um zu meditieren, muss ich eine bestimmte Meditationshaltung einnehmen.

Wichtig ist zunächst einmal, eine Haltung einzunehmen, in der der Atem frei fließen kann. Ob das auf einem Stuhl, auf dem Boden oder angelehnt auf dem Sofa oder auf dem Rücken liegend ist, spielt zunächst einmal keine Rolle. Eine Haltung einzunehmen, in der ich mich wohlfühle, ist die beste Voraussetzung dafür, den Geist nicht von Schmerzen oder anderen unangenehmen Empfindungen ablenken zu lassen.

  1. Wenn meine Gedanken abschweifen, meditiere ich nicht richtig.

Lange fühlte ich mich unfähig zur Meditation, wenn ich nicht aufhören konnte zu denken. Doch dagegen anzukämpfen, hilft tatsächlich überhaupt nichts. Ich lerne stattdessen achtsam auf meine Gedanken zu sein und Ablenkung zu akzeptieren. Das wichtigste ist, sich nicht in den Gedanken zu verlieren, sondern die Ablenkung wahrzunehmen und dann die Aufmerksamkeit sanft wieder auf den Atem oder das Mantra zu lenken, über das man meditiert. Manchmal ist der Geist sehr unruhig und es vergehen nur ein paar Sekunden bis der nächste Gedanke kommt. Auch das ist vollkommen in Ordnung.

  1. Negative Gefühle gehören nicht zur Meditation.

Oft erlebe ich in der Ruhe das Aufsteigen negativer Gefühle wie Angst, Schmerz oder Trauer. Ich lerne, dass negative Gefühle da sein dürfen. Sie zu unterdrücken führt dazu, dass sie stärker werden. Negative Gefühle haben genauso ihre Daseinsberechtigung wie positive Gefühle. Ich lerne, diese Gefühle in meinem Körper zu lokalisieren und bemerke mit welchen Gedanken diese Gefühle in mir aufsteigen. Außerdem lerne ich, mich nicht mit meinen Gefühlen zu identifizieren. Ich bin nicht die Angst. Ich bin nicht die Trauer. Das sind nur Gefühle und ich kann beobachten, wie sie aufsteigen und wieder vergehen, kann ihre Effekte in meinem Körper spüren ohne mich in meinen negativen Gefühlen zu verlieren.

  1. Meditation ist ein Wundermittel

Lange Zeit war ich in dem Glauben, dass sich meine Probleme lösen würden, wenn ich nur lernen würde, richtig zu meditieren. Tatsache ist, Meditation ist ein Prozess. Meditation ist ein Werkzeug, um Kontrolle über den Geist zu gewinnen und dem Geist somit die Kontrolle über mich zu entziehen. Meditation ist auch eine Methode, den gegenwärtigen Moment achtsam wahrzunehmen und weder in der Vergangenheit, noch in der Zukunft zu verweilen.  Das Ziel ist jedoch, diese Methoden auch im Alltag immer wieder anzuwenden. Zu merken, wenn ich mich in Gefühlen oder Gedanken verliere und wenn ich den Halt im Inneren verliere. Sich immer wieder bewusst zu werden, wie wichtig es ist zu atmen. Sich bestimmte Affirmationen im Alltag in Gedanken vorzusagen, um der kritischen inneren Stimme Kontra zu geben. Es geht also um die Veränderung der gesamten Lebenseinstellung. Mit 10 Minuten Meditation am Tag ist es nicht getan.

Glück im Inneren finden

Meditation ist meiner Meinung nach der Weg zur Erkenntnis, dass es wahres Glück nur in mir selbst gibt. Es gibt kein ewiges Glück im Außen. Wer das Glück im Partner, im Job, in Hobbys oder in materiellen Dingen sucht, erfährt ein kurzzeitiges Stimmungshoch, doch keine innere Harmonie und inneres Glück. Früher oder später schleichen sich die alten Ängste wieder ein. Die Unzufriedenheit macht sich wieder bemerkbar und wir suchen unser Glück weiter im Außen, in sinnlichen Ablenkungen, an neuen Orten und in weiteren Besitztümern. Dabei vergessen wir, dass unser Leben JETZT stattfindet und bemerken irgendwann voller Sorge, dass die Zeit immer schneller voranschreitet und wir uns trotzdem nicht glücklicher fühlen als vor 5 Jahren.

Innehalten – atmen – das Hier und Jetzt spüren – mit sich selbst leben. Ich werde die Meditation nicht mehr aufgeben. Am Ende habe ich nämlich nur mich selbst. Und wenn ich mich selbst nicht wertschätze, wer tut es dann?

„Bei der Meditation geht es nicht um den Versuch, irgendwo hinzugelangen. Es geht darum, dass wir uns selbst erlauben, genau dort zu sein, wo wir sind, und genau so zu sein, wie wir sind, und desgleichen der Welt zu erlauben, genau so zu sein, wie sie in diesem Augenblick ist.“ (Jon Kabat-Zinn)

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