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Schmetterlinge sind viel schöner, wenn sie fliegen

Mount Taranaki/ Neuseeland

„Wenn ihr euer Schaf oder eure Kuh unter Kontrolle halten wollt, gebt ihnen eine große, weite Wiese.“ Shunryu Suzuki

Viele Menschen versuchen alles in ihrem Leben immer unter Kontrolle zu haben. Und nicht nur das: Viele unterliegen auch der Illusion, dass sie tatsächlich alles unter Kontrolle haben. Zukunftspläne, Beziehungen, Karriere, gesunde Ernährung, genug Sport … alles kein Problem. Wenn man nur gründlich genug plant, wird schon alles so kommen wie man will. Oder?

Nur vergessen viele, dass es da noch einen wichtigen Faktor gibt, der sich nicht kontrollieren lässt: das Leben selbst. Wir versuchen oft so krampfhaft, an unseren Plänen und unseren Vorstellungen festzuhalten, dass wir aus allen Wolken fallen, wenn dann doch alles ganz anders kommt als wir es uns vorgestellt haben.

Plötzlich haben wir ein finanzielles Problem, einen Unfall, eine Krankheit oder verlieren eine wichtige Person. Oder wir verlieren , eine Überzeugung, den Draht zu uns selbst oder überfordern uns mit den Ansprüchen an uns selbst. Und in diesem Moment gleitet uns alles aus den Händen, all die schönen Zukunftspläne und guten Vorsätze. Wir wissen nicht mehr wie das Leben nun weitergehen soll und wir sehen uns vor einem tiefen unüberwindbaren Abgrund. Und das schlimmste ist nicht nur das unvorhersehbare Ereignis in unserem Leben, sondern das Gefühl die Kontrolle zu verlieren.

Warum ist das so schlimm? Wir brauchen oft das Gefühl der Sicherheit. Wenn wir glauben die Fäden in der Hand zu halten, haben wir gleichzeitig auch etwas, an dem wir uns festhalten können. Die Fäden verhindern, dass wir in den Abgrund rutschen. So glauben wir. Doch Tatsache ist: Es sind nur Fäden. Es sind keine starken Seile und es gibt keine Brücke. Oft reicht es aus, wenn nur einer dieser Fäden reißt, um den Boden unter den Füßen zu verlieren und abzustürzen.  Warum verlassen wir uns also überhaupt auf diese brüchigen Fäden, wenn wir sowieso nicht sicher sind?

Als erstes gilt es wesentliche zwei Dinge zu akzeptieren:

  1. Wie sich das Leben letztendlich entwickelt, liegt außerhalb der Kontrolle des Einzelnen.
  2. Sicherheit ist eine Illusion.

Das klingt erstmal hart, doch diese beiden Wahrheiten zu akzeptieren, ist ein wesentlicher Schritt dazu Frieden mit sich selbst zu schließen. Meiner Meinung nach, lebt jeder von uns sein jetziges Leben zu einem bestimmten Zweck. Jeder von uns soll etwas Essentielles in diesem Leben lernen und deshalb geschehen Dinge im Leben aus einem bestimmten Grund. Nur wenn wir aus diesen unkontrollierbaren Erfahrungen eine Lehre ziehen, besteht für diese Ereignisse keine Notwendigkeit mehr sich zu wiederholen.

Viele von uns haben Angst den Kontrollzwang einfach loszulassen und auf das Leben, das Universum und somit auch auf uns selbst zu vertrauen.  Und zu akzeptieren, dass es viele Unsicherheiten im Leben gibt, macht innerlich frei. Auf diese Art und Weise ist es auch möglich, einfach mal von Tag zu Tag zu leben, ohne an mögliche Konsequenzen zu denken.

Und wenn wir die Fäden losgelassen haben und unvorhersehbare Dinge in unserem Leben ohne Widerstand empfangen können, kann auch noch etwas ganz anderes wunderbares passieren. Zwar haben wir keinen äußeren Halt mehr, doch dafür haben wir nun die Möglichkeit diesen Halt in uns selbst zu finden. Und wir merken, dass wir Flügel haben und dass wir diese ausbreiten können, um über den Abgrund zu fliegen, der sich vor uns aufgetan hat. Unsere Seele ist wie ein wunderschöner Schmetterling, der nur darauf wartet, sich entfalten zu können und zu fliegen. Dieser Schmetterling ist leicht und zart: er kann eine bestimmte Richtung einschlagen, doch der Wind kann ihn auch in eine andere tragen. Zudem leuchtet er in den buntesten Farben.

Und wir dürfen eines nicht vergessen: Auch wenn wir fliegen, haben wir immer die Möglichkeit zu landen, bevor wir weiterfliegen. Und noch eine Sache: Wir sind nicht allein, denn das Universum hält alle Fäden zusammen. Darauf können wir vertrauen. Wir sind verbunden mit allem und können den Halt gar nicht verlieren. So gesehen gibt es also doch eine Sicherheit: Die Sicherheit, dass das Leben, das wir für uns selbst gewählt haben, jenes ist, welches wir leben sollen. Und zwar mit allen Facetten.

„Leben ist nicht genug, sagte der Schmetterling. Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu.“  H. C. Andersen

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