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Warum es so wichtig ist, deine inneren Werte zu erkennen

Innere Werte

Lange Zeit war ich mir nicht darüber im Klaren, was eigentlich meine Werte sind. Der Grund dafür war, dass ich zu sehr mit der Außenwelt und mit der Erledigung von Aufgaben und täglichen Anforderungen beschäftigt war. Ich nahm mir einfach nicht die Zeit, über meine Werte nachzudenken, sondern war einfach nur froh, wenn ich wieder einen Tag erfolgreich hinter mich gebracht hatte. Nicht, dass sich meine Werte nicht regelmäßig bei mir meldeten. Ich spürte es durchaus, wenn etwas gegen einen Wert verstieß oder wenn ich meinen Werten entsprechend handelte. Doch es geschah nie bewusst. Denn ich hatte mir nie die Zeit genommen, in mich hinein zu spüren, meine Werte zu definieren und zu verstehen, was diese Werte für mein Leben bedeuten.

Was sind eigentlich Werte? Ich verbinde „Werte“ mit dem Begriffspaar „Werte und Pflichten“. Es ist eigentlich erstaunlich, dass diese beiden Begriffe im Doppelpack auftreten und irgendwie so eng mit einander zusammenhängen. Warum ist das so?

Werte werden im Philosophie-Wörterbuch folgendermaßen definiert:

„[…] Grundlegende, konsensuelle Zustimmung einfordernde, gleichermaßen normierend und motivierend wirkende Zielvorstellungen, Orientierungsgrößen und Qualitäten, die […] auch tatsächlich angestrebt und gewünscht werden, so dass sich Individuen und Gruppen von ihnen bei ihrer Handlungswahl und ihrer Weltgestaltung leiten lassen.“[1]

Pflichten hingegen können sowohl als „subjektive Verbindlichkeit[en] oder als objektive Pflichtgemäßheit[en] von Handlungen“[2] verstanden werden.

Und hier wird bereits deutlich, dass Pflichten einerseits so eng mit Werten zusammenhängen und dann eben doch wieder etwas komplett anderes sind.  Hervorgehoben habe ich in der Werte-Definition die Begriffe ‚grundlegend‘, ‚motivierend‘, ‚Zielvorstellungen‘, ‚Weltgestaltung‘ und ‚leiten‘, die im Grunde bereits zeigen, warum Werte so wichtig für unser Leben sind. Werte liegen allen Entscheidungen und Handlungen unseres Lebens zugrunde. Wenn diese Werte klar sind, wird es deutlich einfacher, Entscheidungen zu treffen oder auf bestimmte Art und Weise zu handeln. Wenn wir unsere Werte definieren, werden sie gleichzeitig auch zur Zielvorstellungen für unser Leben. Unser Ziel ist es dann, dass wir unser Leben möglichst werte-orientiert führen und dass unsere Werte erfüllt werden. Den eigenen Werten treu zu bleiben oder bestimmte Werte als Ziel zu haben, motiviert und erfüllt uns. Wenn wir uns unseren Werten klar sind, werden wir die Welt so gestalten, wie es sich für uns richtig anfühlt und wir geben unserem Leben einen Sinn.

Wie gehört nun die Pflicht dazu? Wenn wir Pflicht als „subjektive Verbindlichkeit“ verstehen, können wir sagen, dass es unsere persönliche Pflicht ist, unsere Werte zu anzustreben und werteerfüllt zu handeln. Wenn wir es uns zur täglichen Pflicht machen, unsere Werte zu erfüllen, wird Pflicht gleichbedeutend zur Lebensaufgabe und ist somit nicht mehr als negativ zu bewerten.

Die andere Bedeutung von ‚Pflicht‘ hingegen, ist die Pflicht, die wir glauben zu haben, weil sie von außen als solche definiert wird. So wachsen wir in den Glauben auf, es sei unsere Pflicht, die Schule zu beenden und eine gute Ausbildung zu genießen. Oder es sei unsere Pflicht, Nachwuchs in die Welt zu setzen. Oder es sei unsere Pflicht, eine Ehe nicht zu brechen, usw. Dies sind die Pflichten, die uns einschränken, die Pflichten, die es verhindern, dass wir glücklich werden und die unsere Augen vor dem verschließen, was wirklich wichtig ist im Leben: nämlich unser Leben selbst. Oft glauben wir, dass diese Pflichten, die objektive Wahrheit verkörpern. Wie erkenne ich also diese Pflichten? Meistens verstecken sie sich hinter solchen Formulierungen wie:

„Ich (man) muss aber…“
„Ich (man) sollte eigentlich…“
„Ich (man) darf nicht…“

Besonders die Formulierungen mit ‚man‘ sind tückisch. Diese Formulierungen verhalten sich so, als seien sie allgemeingültig und dies jederzeit. Oft hinterfragen wir diese Pflichten nicht. Eine gute Übung ist es aber nun, all diese Pflichten aufzuschreiben und genau das zu tun: Hinterfragen, ob diese Aussagen wirklich universell gültig sind oder ob sie einen ganz irdischen Ursprung haben. Vielleicht kommen diese Aussagen ja  von unseren Eltern, Freunden, Lehrern, Medien usw. Wenn wir begriffen haben, dass beispielsweise die Aussage: „Man muss studieren, um später eine gute Zukunft zu haben“ nicht universell gültig ist, sondern von außen kommt, können wir uns fragen, ob es uns persönlich wichtig ist zu studieren. Das ist dann der Zeitpunkt, an dem unsere Werte ins Spiel kommen.

Wie erkenne ich meine wahren Werte? Werte sind so grundlegend und wichtig für unser Leben, dass wir provozierende Fragen stellen können und diese überzeugt mit einem „Ja!“ beantworten können. Diese Fragen könnten lauten:

„Würde ich diesen Wert mit aller Kraft und Überzeugung verteidigen, wenn er in Gefahr wäre?“

„Würde ich dafür kämpfen, diesen Wert umzusetzen?“

„Bin ich bereit, täglich etwas für diesen Wert zu tun?“

„Wäre mein Leben ohne diesen Wert deutlich weniger erfüllt und glücklich?“

In dem Beispiel von oben, könnten wir beispielsweise den Wert „Wissen“ entdecken. Wenn mir Wissen so wichtig ist, dass ich die gestellten Fragen mit einem „Ja“ beantworten kann, ist Studieren vermutlich eine gute Idee. Ich will damit jetzt nicht sagen, dass man Wissen nicht auch auf anderem Wege erlangen kann. Wenn wir nämlich festgestellt haben, dass oben genannte Aussage keine objektive Wahrheit beinhaltet, können wir uns auch fragen, welche Wege es sonst noch gibt, um Wissen zu erlangen und diese wiederum mit unseren Werten hinterfragen, bis wir den für uns richtigen Weg gefunden haben.

Es geht also darum, Entscheidungen eben NICHT auf der Basis von „falschen“ Pflichten zu treffen, sondern auf der Basis unserer Werte und innerer Überzeugungen. Vielleicht sind diese Handlungen dann im Einklang mit gesellschaftlichen oder familiären Anforderungen, wodurch wir natürlich auf weniger Widerstand und auf weniger Ängste und Sorgen stoßen werden. Vielleicht bemerken wir aber auch, dass es für uns richtig ist, in einer bestimmten Sache gegen den Strom zu schwimmen. Dann wird die Sache schwieriger, weil wir außen auf Widerstand stoßen, wodurch unsere Sorgen und Ängste größer werden und wir uns verunsichern lassen. Umso wichtiger ist es dann, trotz allem bei der getroffenen Entscheidung zu bleiben, wenn wir überzeugt davon sind, dass sie richtig ist. Egal, was passiert, egal ob wir scheitern und zu hören bekommen: „Wir haben es dir ja gesagt“ oder ob wir Erfolg haben und zu hören bekommen „Das hätte ich nie gedacht“, wir sind dann unserem Lebenssinn ein klein wenig näher gekommen, weil wir gelernt haben, weil wir eine Chance ergriffen haben und weil wir im Einklang mit uns selbst gehandelt haben. Ist es das nicht wert?

Werte können vielfältig sein, sie können sogar einander widersprechen, sie sind so individuell wie jeder Mensch.

Mir sind zum Beispiel unter anderem die Werte Harmonie, Liebe, Spiritualität und Selbstverwirklichung sehr wichtig. Auch konkretere Werte wie Partnerschaft, Familie und Freundschaft kann ich dazuzählen.

Für diese Werte beantworte ich oben gestellte Fragen von Herzen mit „Ja!“. Und ich bin gespannt, welche Türen sich in meinem Leben noch öffnen, werden, wenn ich es werteerfüllt lebe.

„Geistige Werte müssen uns ansprechen wie Könige. Sie dürfen nicht aufgedrängt werden.“ (Arthur Schopenhauer ,1788-1860, deutscher Philosoph)

[1] Prof. Dr. Armin Wildfeuer, Philosophie-Wörterbuch, Art.: „Wert“. http://www.philosophie-woerterbuch.de/, Zugriff: 04.01.2017.

[2] Holm Bräuer, Philosophie-Wörterbuch, Art.: „Pflicht“. http://www.philosophie-woerterbuch.de/, Zugriff: 04.01.2017.

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