Artikel
0 Kommentare

Was wir aus dem Alleinsein lernen können

Sonnenuntergang Cape Palliser

„Allein zu sein! Drei Worte leicht zu sagen, und doch so schwer, so endlos schwer zu tragen.“  (Adelbert von Chamisso, 1781 – 1838, deutsch-französischer Dichter und Naturforscher)

Warum ist es eigentlich so schlimm für viele Menschen, alleine zu sein? Und warum wünschen wir uns immer dann am stärksten, alleine zu sein, wenn wir zu viel Stress und zu viele Verabredungen haben und nur am Rotieren sind?

Selbst gewähltes Alleinsein ist großartig. Man kann sich gemütliche Sachen anziehen, die Lieblingsserie einschalten und das Lieblingsessen genießen, ohne dass einem irgendjemand dazwischenfunkt. Wenn man jedoch dazu gezwungen ist, alleine zu sein, weil niemand Zeit für eine Verabredung hat und jeder schon irgendetwas anderes vorhat, was einen nicht einschließt, machen eben genannte Dinge nur noch halb so viel Spaß. Oder auch gar keinen mehr. Plötzlich beginnen die Gedanken: Warum hat jeder etwas vor, nur ich nicht? Warum hat jeder Spaß, nur ich nicht? Bin ich zu unsozial? Sollte ich mir mehr Mühe geben? Und dann sitzt man lustlos in seiner Wohnung und fühlt sich schlecht, weil man diese Zeit nun alleine irgendwie füllen muss.

Warum ist es so schlimm, alleine zu sein?

Wenn man alleine ist, gibt es niemanden mehr, der einen vor den eigenen Gedanken und Gefühlen schützt. Wenn man alleine ist, ist da Raum zum Reflektieren, Raum für achtsames Fühlen und achtsames Handeln. Und das kann Angst machen. Oben genannte Gedanken, die beim ungewollten Alleinsein entstehen, sind wertende Gedanken. Es sind Gedanken, die den eigenen Wert in Frage stellen, da wir uns oft nur dann wertvoll finden, wenn jemand anderes dies auch tut. Wenn andere Menschen Zeit mit uns verbringen wollen, dann meistens aus dem Grund, weil sie unsere Gegenwart schätzen. Jeder Mensch braucht dieses Gefühl, denn wir sind soziale Wesen mit dem Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung durch Andere. Doch heißt das zwangsläufig, dass wir uns wertlos fühlen müssen, wenn wir mit uns selbst Zeit verbringen?

Die Kunst ist es nun, sich diese Anerkennung und Liebe selbst zu geben. Die Wertschätzung der eigenen Person und die Selbstliebe sind die Basis für alle Wertschätzung und Liebe, die wir anderen Menschen geben können, ohne im Gegenzug dasselbe erwarten zu müssen. Wenn wir alleine sind, können wir dies als großartige Übung für uns selbst sehen. Die wertenden Gedanken gegen uns selbst werden kommen. Das Gefühl der Einsamkeit und der Verlassenheit wird auch kommen. Diese Gedanken und Gefühle können achtsam beobachtet werden, vielleicht können wir diese Gedanken und Gefühle aufschreiben. Irgendwann können wir beginnen, in uns hineinzuspüren, was wir jetzt brauchen. Ist es Gesellschaft? Oder ist es Trost in irgendeiner Form? Oder ist es Wertschätzung unserer Selbst? All diese Wünsche können wir uns erfüllen, wir müssen nur handeln.

Wenn wir Gesellschaft wollen, dann müssen wir uns diese suchen. Dazu braucht es aber Mut und Kraft, das Selbstmitleid zu überwinden, das Haus zu verlassen und einen Ort aufzusuchen, wo Menschen sind, die wir kennenlernen können. Da kann dann die Angst der Zurückweisung dazukommen. Besonders für introvertierte Menschen ist ein solcher Schritt eine große Herausforderung. Unser Vorhaben kann auch scheitern, doch vermutlich wird unser Mut belohnt werden.

Wenn wir Trost wollen, können wir uns überlegen, was uns normalerweise tröstet. Ist es ein leckeres Essen? Ein gutes Buch? Ein Telefonat mit einem lieben Menschen? Was auch immer es ist, es ist wichtig zu handeln und nicht darauf zu warten, dass jemand kommt und Trost schenkt. Denn das wird in den meisten Fällen nicht passieren.

Wenn wir uns Wertschätzung wünschen, können wir dafür sorgen, dass wir diese auch bekommen. Wir könnten anfangen, positive Dinge über uns aufzuschreiben und unsere guten Eigenschaften zu loben. Anfangs mag sich das falsch und merkwürdig anfühlen, doch je öfter man eine solche Übung wiederholt, desto mehr gräbt sich dieses neue Denkmuster in unser Gehirn ein und wir beginnen uns selbst in positiverem Licht zu sehen. Wir können uns auch wertschätzen, indem wir uns unserem Körper zuwenden und endlich wieder einmal Sport treiben und uns danach ein ausgiebiges Bad gönnen.

Die Essenz aus all diesen Dingen ist also: Wenn wir alleine sind und diesen Zustand nicht mögen und Gefühle der Einsamkeit entstehen, müssen wir unsere Kraft und unseren Mut zusammennehmen und handeln. Diese Zustände können uns dazu verhelfen, neue Seiten an uns zu entdecken und die Einsamkeit zu vertreiben. Vielleicht lernen wir auf diese Weise sogar, das Alleinsein zu genießen und als wertvolle Zeit zu nutzen. Das kommt sicherlich nicht nur uns selbst zugute, sondern auch unseren Mitmenschen, die das neu gewonnene Selbstvertrauen an uns positiv wahrnehmen werden.

„Um die Einsamkeit ist’s eine schöne Sache, wenn man mit sich selbst in Frieden lebt und was Bestimmtes zu tun hat.“ (Goethe)

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.