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Weiblichkeit – Wie kann ich ganz Frau sein?

Weiblichkeit

„Kein Mann ist imstande, die weibliche Vernunft zu begreifen. Deshalb gilt sie als Unvernunft.“ (Eleanora Duse)

Vorweg möchte ich gerne klarstellen, dass dieser Artikel auf meinen eigenen Gedanken basiert  und dass sicherlich jeder Mensch, jede Frau das Konzept von Weiblichkeit anders versteht und lebt bzw. leben will. Nichts desto trotz ist dieses Thema für mich von größter Bedeutsamkeit für die Frage: Wie möchte ich mein Leben leben?

Emanzipation – ohne Frage
Heutzutage verschwimmen in unserer Gesellschaft die Grenzen zwischen Männern und Frauen mehr und mehr. Die Gleichstellung der Frau ist ein vordergründiges Thema und ich finde es enorm wichtig, dass das so ist. Jeder Mensch, egal ob Mann oder Frau, sollte die gleichen Chancen bekommen, ein Leben nach den eigenen Vorstellungen zu leben. Die Emanzipation der Frau ist eine Entwicklung, die immer noch andauert und sicherlich noch eine Weile andauern wird. Noch immer fühlen sich viele Frauen hier in Deutschland benachteiligt im Arbeitsleben, bei der Jobsuche, beim Gehalt, in der Ehe, in der Art ihrer Erziehung… Es ist ein gutes Ziel, diese Unterschiede zu beseitigen.

Doch was ist mit Kindern?
Doch dann ist da diese andere Seite in mir. Diese Seite, die Frau ist. Diese Seite, die als Frau angesehen und akzeptiert werden möchte. Als Frau habe ich das (biologische) Privileg Kinder gebären zu können. Dieser Unterschied zwischen Männern und Frauen kann nicht einfach so ignoriert werden. Warum kann ich als Frau Kinder bekommen, als Mann jedoch nicht? Was bedeutet diese Tatsache für mich? Kein Mann kann mir diese Aufgabe abnehmen und die Bindung zum eigenen Kind, das 9 Monate in mir heranwächst, ist von größter Bedeutsamkeit. Soll ich als Mutter nach der Geburt meines Kindes genauso weiter funktionieren, wie davor? So schnell wie möglich wieder Vollzeit arbeiten, mein Kind in eine Tagesstätte geben, damit ich den gleichen Beitrag zur Gesellschaft leisten kann wie ein Mann? Natürlich hat die Gesellschaft bereits einiges ermöglicht. Eine Auszeit vom Job nach der Geburt eines Kindes ist weitestgehend akzeptiert. Trotzdem bleibt das Aufziehen der Kinder in den meisten deutschen Familien weiterhin Frauensache. Teilweise liegt das an den noch immer weitverbreiteten Rollenbildern: Er arbeitet, sie bleibt zu Hause bei den Kindern.

Die weibliche und die männliche Seite
Ich muss jedoch gestehen, dass ich nicht alles an diesem Rollenbild falsch finde. Ich kann mir vorstellen, dass ich als Mutter bei meinem Kind bleiben WILL, weil ich es als meine Aufgabe ansehe für es zu sorgen und weil ich meine ganze Energie aufwenden möchte, um meinem Kind ein gutes und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und dazu beizutragen, dass ein glücklicher Mensch daraus wird. Nicht ohne Grund sucht eine Frau – auf biologischer Ebene – meist einen Partner, den sie sich als Vater für ihre Kinder vorstellen kann. Dies beinhaltet eine gewisse Stärke, das Gefühl der Sicherheit bei einem Mann, sowohl auf körperlicher, als auch auf finanzieller Ebene: Ein Mann, der gewissermaßen seine männliche Seite lebt, damit ich meine weibliche Seite leben kann und somit für einen Ausgleich sorgt. Nun ist es natürlich so, dass jeder Mensch eine männliche und eine weibliche Seite in sich trägt – Yin und Yang.

Die Doppelrolle
Von Frauen wird heutzutage oft erwartet, dass sie beide Seiten gleichermaßen gut ausfüllen sollen. Eine Frau soll weiblich sein, hübsch, liebevoll, zärtlich. Doch eine Frau soll auch stark sein, Karriere machen, finanziell unabhängig sein und kämpfen können. Ich merke, dass ich hiermit manchmal an meine Grenzen komme. Noch habe ich keine Kinder und trotzdem habe ich Schwierigkeiten alle Erwartungen zu erfüllen. Dazu kommt, dass ich ein sehr emotionaler und sensibler Mensch bin. Das sind vom allgemeinen Verständnis her sehr weibliche Eigenschaften. Ich habe oft das Gefühl, in der Arbeitswelt wird Sachlichkeit und Rationalität mehr Bedeutung beigemessen.

Weiblichkeit leben
Doch das liegt nicht in meiner Natur. Ich treffe Entscheidungen oft auf emotionaler Basis und wünsche mir, auch so arbeiten zu können. Ich wünsche mir also eine Arbeit, in der meine weiblichen Eigenschaften gefragt sind, in der ich diese Eigenschaften leben kann, denn ich schaffe es kaum, beide Rollen gleichzeitig zu leben. Ja, ich will finanziell unabhängig sein und für mich sorgen können, doch ich wünsche mir eine Arbeit, die nicht nur auf Profit und Wettbewerb ausgelegt ist. Wenn ich Kinder bekomme, möchte ich das Recht haben, für meine Kinder zu sorgen, solange ich das will, ohne dass ich dafür finanziell in Nachteile gerate. Ist es denn keine Arbeit, keine ehrenvolle Aufgabe, Kinder großzuziehen und dafür Sorge zu tragen, dass verantwortungsbewusste Menschen ihren Teil zur Gesellschaft beitragen? Momentan habe ich das Gefühl, dass ich als Frau dazu gezwungen werde, eine Doppelrolle auszufüllen, dass ich es irgendwie schaffen muss, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen, damit ich nach einer gescheiterten Partnerschaft nicht in der Armut lande. Ist das wirklich gerecht?

Ich wünsche mir, dass die Emanzipation der Frau fortschreitet, doch dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht ignoriert werden. Denn es gibt sie! Gleiche Chancen zu haben, bedeutet für mich auch, dass ich in meiner Weiblichkeit angenommen werde und diese leben darf, genauso wie ein Mann seine Männlichkeit leben darf. Diese Welt ist immer noch männlich geprägt. Die ganze Wirtschaft und Regierung basiert auf einem System, das Männer aufgebaut haben. Es gibt mehr als das. Erfolg gibt es auch auf einer anderen Ebene. Für mich basiert Erfolg nicht zwangsläufig auf Ruhm, Geld und Macht. Erfolg ist auch Einsicht, Kreativität, Spiritualität, Zusammenhalt und Harmonie.

„Yin und Yang, männlich und weiblich, hart und weich, Himmel und Erde, Licht und Dunkel, Donner und Blitz, kalt und warm, gut und schlecht … das ist die Wechselwirkung der gegensätzlichen Prinzipien, die das Universum formen.“ Konfuzius

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